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21.09.2020 Kategorie: Veranstaltungen

Aufführung des inklusiven Theaterprojekts „Hierbleiben… Spuren nach Grafeneck“ in Achern am 06.10.20


Am 06.10.20 ab 14:30 Uhr ist das inklusive Straßentheaterprojekt des Reutlinger Theater in der Tonne e.V. in Achern auf dem Rathausplatz zu sehen.

Unter dem Titel „Hierbleiben…Spuren nach Grafeneck“ nimmt sich das Projekt ein historisch bedeutendes Ereignis zum Anlass. Durch die Begegnung der Darsteller mit Behinderung im öffentlichen Raum wird auch ihre heutige Situation aufgezeigt.

Die berüchtigten „Grauen Busse“ kamen auch nach Achern, in die damalige „Badische Heil- und Pflegeanstalt Illenau“ und deportierten Menschen mit Einschränkungen nach Grafeneck. Darunter auch die gebürtige Neusatzerin Rosa Ketterer, die seit 1. Juli 1933 in der Illenau lebte.

Rosa Ketterer wurde am 18. Mai 1940 neben 74 aus der Illenau deportierten Bewohnerinnen und Bewohnern in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet. Insgesamt wurden im Jahr 1940 10.654 Menschen mit Behinderungen oder geistigen Erkrankungen in Grafeneck ermordet, die den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ galten.

In Anspielung an die "Grauen Busse", die damals zur Deportation dienten, wurden 25 Herkunftsorte der Menschen mit Behinderung in Baden-Württemberg ausgesucht. Grafeneck selbst ist Teil dieser 25 Orte. Der Bus fährt mit dem inklusiven Ensemble, Requisiten, Bühnenbild, Kunstobjekten, etc. direkt vor Ort, um die performative Aufführung umzusetzen. Unter der Regie von Enrico Urbanek wird das Projekt vom Theater Reutlingen Die Tonne umgesetzt.

Bei diesem Projekt verbindet sich Choreografie, Musik, bildender Kunst, Medienkunst und dokumentarischen Elementen. Über eine facettenreiche Auseinandersetzung zwischen Ensemble und Publikum werden Denkanstöße gegeben, die weit über Betroffenheit einerseits und Information andererseits hinausgehen. Durch den Einsatz historischer Fakten in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Gedenkstätte Grafeneck und dem Stadtarchiv Achern wird jeweils ein direkter regionaler und gesellschaftlicher Bezug hergestellt.

Der Bus verweilt dabei circa zwei Stunden auf dem Rathausplatz und bietet verschiedene Begegnungen mit dem Ensemble. „Wir danken der Stadt Achern, die uns nach allen Möglichkeiten bei der Umsetzung der Aufführung des Projekts unterstützen, trotz Corona“, so Projektleiter Maximilian Tremmel. Ursprünglich hätte die Premiere am 8. Mai 2020 in Reutlingen im Rahmen des Kultur vom Rande Festivals stattgefunden. Die Corona-Pandemie machte eine Neuplanung nötig, die erste Aufführung fand am 17.09.20 in Mosbach statt. Diesen Herbst ist das Projekt bis 18.10. in Baden-Württemberg unterwegs. Weiter geht es nach der Winterpause ab Frühjahr 2021.

Das seit 60 Jahren bestehende Theater Reutlingen Die Tonne hat bereits seit vielen Jahren Erfahrungen mit der inklusiven Theaterarbeit und präsentiert die entwickelten Inszenierungen regelmäßig auf Festivals im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 gibt es am Theater Reutlingen Die Tonne eine von den örtlichen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen mitgetragene Initiative, bei der Menschen mit Beeinträchtigungen einen Teil ihrer Arbeitszeit am Theater absolvieren und dort eine künstlerische Ausbildung erhalten.

Das Projekt wird gefördert durch die LEADER-Förderung (ein von der EU eingerichtetes Förderpaket für die Entwicklung im ländlichen Raum) und von der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ im Rahmen von „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, den Landkreis Reutlingen sowie durch Daimler Truck. Kooperationspartner sind BAFF [Träger Lebenshilfe und BruderhausDiakonie], der Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, den BruderhausDiakonie-Werkstätten Reutlingen sowie der Habila GmbH Rappertshofen Reutlingen. Weitere Informationen, Fotos und die Aufführungstermine im Herbst finden Sie unter spuren-nach-grafeneck.de.

Bildnachweis Fotos der Premiere in Mosbach, 17.09.20: Theater Reutlingen die Tonne